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Schiefer, die Lebensgrundlage des Moselwinzers

Seit 2000 Jahren wachsen an den nach Süden geneigten und vom Schiefer aufgebauten Hängen der Mosel Weinreben. Dabei ist der Schiefer eine wichtige Voraussetzung für hervorragende Weinlagen. Durch die mechanische Zerkleinerung bei der Bodenbearbeitung der der allmählichen Verwitterung zerfällt der Devonschiefer in lehmig tonigen Boden, dessen hoher Kaliumgehalt neben den anderen Mineralien wie Kalzium, Magnesium, Phosphor, ... ein wichtiger Nährstoff für die Reben ist. 
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nutzten die Winzer diese Langzeitdüngung, indem sie im Winter den Weinbergsboden mit frischem Schiefer bedeckten, der in Steinbrüchen mit weichem, bröckeligen Gestein meist in der Nähe gebrochen wurde. Die Weinberge wurden so "geschiefert" (Abb. links unten).
Lockeres Schiefergestein lässt Regenwasser leicht in den gut durchwurzelbaren Boden eindringen, verhindert das Abschwemmen der Feinerde am Steilhand und ein allzu schnelles Austrocknen. Der hohe Steinanteil schützt bei Belastungen vor einer stärkeren Bodenverdichtung selbst bei feuchtem Wetter. Der größte Nutzen des Schiefers ist jedoch seine leichte Erwärmbarkeit und seine hohe Wärmespeicherkapazität. Die Sonnenenergie des Tages wird im Stein festgehalten und nachts als Wärme langsam wieder abgegeben (Abb. rechts unten).
Der skelettreiche Schieferverwitterungsboden prägt wesendlich den Charakter der Rieslingweine und verleiht ihnen eine mineralische, pikante Art und eine geschliffene, filigrane Fruchtsäure. Fachleute sprechen von einem unverwechselbaren Schieferton, der den Weinen aus den Steillagen der Mosel zu Weltruf verhalf.
Rudolf G. Binding schreibt in seiner Novelle "Moselfahrt aus Liebeskummer": "Man schmeckt den Schiefer im Wein, man atmet ihn in der Luft, man richt ihn nach flüchtigem Regen, wenn die Sonne die porösen Schichten eilig trocknet und das samtene metallene Grau wieder aufblitzt unter den Rebstöcken, als ob die Trauben auch vom Boden noch die zurückgeworfenen Sonnenpfeile aufzusammeln hätten. Der Wein ist ... ohne Bescher ... leicht, flüchtig, fein und hell wie eine liebenswürdige Musik die nachklingt, ohne Körper und Gemüt zu belasten."

                               
                                    "Schiefern" der Weinberge                                          Sonneneinstrahlung am Schiefersteilhang