Impressum

                    


Die Tätigkeiten des Winzers von heute sind sehr vielfältig. Neben den intensiven Arbeiten im Weinberg und Keller, muss der Winzer von heute auch gute Kenntnisse in Marketing, Werbung und Verkauf besitzen um seine Produkte bestmöglich zu vermarkten. Auf diese verkaufsfördernden Maßnahmen wird seit einigen Jahren auch im Ausbildungsbild zum Winzer verstärkt Wert gelegt. Doch vor dem Verkauf steht die Produktion, Herstellung der Weine. Sehr wichtig für die Qualität der Weine sind neben der Kellertechnik besonders die Arbeiten im Weinberg, rund um den Weinstock...

 

Bodenbearbeitung


Pflug zur Bodenbearbeitung (um 1960)

früher: von Hand mit Karst und Pickel
heute: mit verschiedenen Maschinen und Geräten, am Steilhang im Seilzug, in der Ebene im Direktzug
Zweck: Lockerung und Belüftung des Bodens, Einarbeitung von Dünger, Regulierung des Unkrautbewuchses
Alternativen zur Bodenbearbeitung: Abdeckung des Bodens mit Stroh oder anderer organischer Masse, Dauerbegrünung nur bei ausstreichendem Niederschlag (600-700mm/Jahr)
Düngung
früher: nur mit organischem Dünger, eigener Stallmist, sehr selten (alle 5 bis 10 Jahre); bei Rodung mit der Asche des gerodeten Bewuchses
heute: organischer Dünger: Stallmist, Hühnerdung, Knochenmehl, Hornspäne, Torf, Baumrinde, Stroh, Kompost, Klärschlamm
Mineraldünger: Natürlich vorkommende Gesteinsmehle wie Kalke, Phosphate, Kali- und Magnesiumsalze, industriell hergestellte oder gemischte Dünger
Zweck: Schaffung einer gesunden Bodenstruktur und Bakterientätigkeit, Ersatz der dem Boden entzogenen Nährstoffe. Sehr wichtig, da Weinbau Monokultur und kein Fruchtwechsel möglich. Die Ausbringung des Düngers erfolgt von Hand oder mit Düngestreuer.
Rebschnitt
Zweck: Formgebung, Raumbeschränkung, beeinflusst Erziehung und Ertrag
Zeitpunkt: nach dem Laubfall
Ausführung: mit einer Rebschere wird alljährlich das 2-jährige Holz zurückgeschnitten und vom 1-jährigen lässt man nur die als Fruchtruten erforderlichen Triebe stehen. In unregelmäßigen Abständen kann auch ein Rückschnitt des alten Holzes erforderlich sein. Das abgeschnittene Rebholz wird im Weinberg belassen und zerkleinert (Rebhäcksler)
Binden
Zweck: Formierung der Tragreben (abhängig von Erziehungsart) Erzielung eines gleichmäßigen Austriebes und Ertrags
Zeitpunkt: vor dem Austrieb (Knospenschwellen)
Ausführung: mit Bindematerial Weiden, Draht, Kunsstoff
Laubarbeiten
Zweck: sie beeinflussen Blüteverlauf und Fruchtansatz, Menge und Güte, Gesundheit der Reben und Schädlingsbekämpfung; sind abhängig von Rebsorte, Erziehungsart und Standort,
Zeitpunkt: Mai, Juni, Juli, August
Arten: Ausbrechen der unfruchtbaren Wasserschosse, einkürzen der Seitentriebe, aufbinden oder unterstecken der Fruchttriebe für das nächste Jahr, Geiztriebe entfernen oder einkürzen, Gipfeln (abschneiden der über die Unterstützung hinausragenden Triebe) Laubarbeit ist überwiegend Handarbeit. In Direktzuglagen kann sie durch den Laubschneider und durch ein Laubheftgerät erleichtert werden.
Erziehungsarten


Herzrebe im Steilhang

wir unterscheiden im wesendlichen
die Pfahlerziehung:
eine der ältesten Erziehungsarten. Sie war schon im alten Griechenland üblich - seit dem 1. Jahrhundert gibt es die Pfahlerziehung auch an der Mosel. Der Weinstock steht an einem Pfahl, die Fruchtruten werden bogen-(herz-)förmig gebunden. Sie erfordert sehr viel Laubarbeit, behindert die Mechanisierung. Heute fast nur noch am Steilhang üblich.
den Drahtrahmen: erfordert keine Pfähle, nur Pfosten zur Befestigung von 4-6 Drähten übereinander, auch paarweise Heftdrähte. Biegedrähte (die beiden unteren) dienen zur Befestigung der Tragrebe. Die oberen Haftdrähte geben den wachsenden Sommertrieben halt. Vorteil: kein anbinden der Sommertriebe erforderlich, nur unterstecken, verstärkte Mechanisierung möglich
Rebschutz


Schwefel-Balg zur Bekämpfung von Mehltau  (um 1950)

Pilzbefall zerstört Pflanzengewebe (Blätter, Triebe, Trauben)

Krankheiten:
* Pernospora
* Oidium (echter Mehltau)
* Roter Brenner 
* Botrytis 
* Schwarzfleckenkrankheit


Roter Brenner


Odium (echter Mehltau)

Bekämpfung vorbeugend, da bei Befall bereits sofort größerer Schaden entsteht: Spritzen von Hand, Sprühen mit Sprühgerät, Hubschraubereinsatz; die Bekämpfungsmittel sind organisch aufgebaut, nach 4-6 Wochen abgebaut, daher bleiben keine Rückstände im Wein. Alternative: Züchtungen resistenter Rebsorten, die Weinqualität vorhandener Resistenzkreuzungen ist jedoch bisher gering. Rebschutz ist notwendig. Die Krankheiten würden sonst die Weinstöcke zerstören und die Ernte reifer, zur Weinherstellung geeigneter Trauben verhindern.

Schädlinge
Der Weinstock kann an allen ober- und unterirdischen Teilen von Schädlingen befallen werden.
Bekannteste Schädlinge: 
Traubenwickler (Heu- u. Sauerwurm), Rhombenspanner, Rote Spinne (Obstbaumspinnmilbe), Reblaus, Dickmaulrüssler, Rebstichler, Springwurm, Bohnenspinnmilbe, Erdraupen, Kräuselmilbe, Schnecken, Weinblattgallmilbe, Vögel, Wild
Die Bekämpfung der Schädlinge erfolgt gezielt bei Befall mit speziellen, auf die Art ausgerichteten Mitteln. Der Winzer vermeidet dadurch die Beeinträchtigung unschädlicher Insekten und Tiere.
Vögel und Wild kann der Winzer nur abschrecken (Lärm) oder aussperren (Netz, Zaun). Wie es unsere Großväter schon erlebten und auch heute in Versuchen immer wieder festgestellt wird, können wir auf eine gezielte und vernünftige Schädlingsbekämpfung noch nicht verzichten.
Rebveredelung
ist eine besondere Form des Rebschutzes. Sie soll unsere Weinberge vor den Folgen eines Reblausbefalls schützen. 1860 wurde die Reblaus von Amerika nach Europa eingeschleppt. Erstes Auftreten an der Mosel 1912. Die Reblaus befällt die Wurzeln des Weinstocks. An den Bissstellen faulen die Wurzeln ab. Bei unseren europäischen Weinreben führt dies immer zum Absterben der Rebe. Bestimmte Wildreben können aber sehr gut mit dem Reblausbefall leben. Deshalb veredelt man Europäer-Reben auf Unterlagen von ausgesuchten Kreuzungen amerikanischer Wildreben. So vereinigt man die Vorzüge der Wildrebe und die der Edelrebe in der Pfropfrebe.
Die Pfropfrebe ermöglicht dem Winzer und dem Weinstock das Leben MIT der Reblaus, den die Vernichtung der Reblaus in einem Weinberg ist auch die Vernichtung der Rebstöcke darin.
Flurbereinigung
Erschließung des Weinberggeländes durch Wege. Vergrößerung der Pazellen durch Zusammenlegen kleinerer Weinberge eines Besitzers zu einem großen. Bau von Stützmauern, Verbesserung an Wasserführung, Windschutz, Drainagen ect. Umstellung auf Pfropfrebe
Die Flurbereinigung erleichtert die Bebauung der Weinberge und hilft damit die typische, von der Rebe geprägte Mosellandschaft zu erhalten. Eine Sozialbrache kann oft verhindert werden. Die hohe Arbeitsbelastung wird etwas erträglicher und die Überlebenschance mancher Winzerbetriebe und Weinberge damit größer.


Weinbergsweg mit Stützmauer
im Frühjahr